Mutter oder Vater schafft die Treppe nicht mehr: Was Angehörige jetzt tun können
Wenn die Treppe für die Eltern zu schwer wird: Anzeichen, Gespräch, Lösungen und bis zu 4.180 € Zuschuss der Pflegekasse.
Sabine KrügerStand 28. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Oft fällt es zuerst den Kindern auf. Die Mutter hält sich auf der Treppe fester am Geländer, der Vater bleibt auf halber Höhe stehen und atmet durch. Irgendwann wird das Schlafzimmer oben gemieden, und das Bett steht im Wohnzimmer. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, das Thema anzusprechen und eine Lösung zu finden, mit der Ihre Eltern im eigenen Haus bleiben können.
Woran Sie merken, dass die Treppe zum Problem wird
- Ihre Mutter oder Ihr Vater geht die Treppe nur noch mit beiden Händen am Geländer oder macht Pausen.
- Wege nach oben oder unten werden vermieden, etwa zur Waschmaschine im Keller oder ins Bad im Obergeschoss.
- Es gab schon einen Beinahe-Sturz, über den nicht gern gesprochen wird.
- Einkäufe oder Wäsche werden auf der Treppe abgestellt, weil beide Hände gebraucht werden.
- Nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer Operation klappt die Treppe nicht mehr wie vorher.
Je früher Sie reagieren, desto mehr Möglichkeiten haben Sie. Nach einem Sturz muss es meist schnell gehen, und dann bleibt wenig Zeit für Angebote und Anträge.
So sprechen Sie es an
Viele ältere Menschen hören beim Wort Treppenlift zuerst: „Ich bin doch kein Pflegefall.“ Hilfreich ist, das Gespräch über das zu führen, was Ihre Eltern behalten wollen. Meist ist das ihr Zuhause, das eigene Schlafzimmer und ihre Selbstständigkeit.
- Fragen Sie, was im Alltag schwerfällt, statt Lösungen vorzugeben.
- Erzählen Sie, dass ein Lift heute schmal ist und sich zusammenklappen lässt, sodass die Treppe für alle frei bleibt.
- Rechnen Sie gemeinsam nach, was nach dem Zuschuss übrig bleibt. Viele schätzen die Kosten deutlich höher, als sie sind.
- Lassen Sie die Entscheidung bei Ihren Eltern. Ein unverbindlicher Beratungstermin nimmt oft schon viel Sorge.
Welche Lösungen es gibt
Treppenlift
Ein Sitzlift fährt auf einer Schiene an der Treppe entlang. Für eine gerade Treppe kostet er mit Einbau meist 3.800 – 8.000 €, mit Kurve oder Podest mehr. Welcher Lift zur Treppe passt, erklärt der Ratgeber Treppenlift-Arten, die Kosten rechnet der Treppenlift-Rechner aus.
Kleine Hilfen für den Anfang
Ein zweiter Handlauf auf der anderen Seite, bessere Beleuchtung und rutschfeste Stufenkanten machen die Treppe sicherer. Das reicht, solange die Kraft noch da ist und es vor allem um das Gleichgewicht geht.
Treppensteiger
Ein Treppensteiger trägt einen Rollstuhl oder einen Sitz mit Hilfe einer Begleitperson die Treppe hinauf. Er braucht keinen Einbau, aber immer jemanden, der ihn bedient. Mehr dazu unter Treppensteiger.
Alles auf eine Etage
Manchmal lässt sich das Schlafzimmer ins Erdgeschoss verlegen. Das klappt gut, wenn es dort auch ein Bad mit Dusche gibt. Sonst entsteht ein neuer Umbau, und der Lift ist oft die günstigere Lösung.
Wer bezahlt den Treppenlift?
Die Pflegekasse gibt bis zu 4.180 € für Umbauten wie einen Treppenlift. Dafür braucht Ihre Mutter oder Ihr Vater einen Pflegegrad, und Pflegegrad 1 reicht schon. Bei einem Sitzlift für eine gerade Treppe bleiben dann etwa 0 – 3.820 €. Haben beide Eltern einen Pflegegrad, kann sich der Zuschuss verdoppeln.
Noch kein Pflegegrad? Den Antrag können Sie für Ihre Eltern stellen, am besten mit deren Einverständnis oder einer Vollmacht. Wie es geht, steht unter Pflegegrad beantragen. Ob sich der Antrag lohnt, zeigt der Pflegegradrechner in wenigen Minuten.
Erst den Zuschuss beantragen, dann den Lift bestellen
Viele Bundesländer geben zusätzlich Geld oder günstige Darlehen. Was im Land Ihrer Eltern gilt, steht unter Förderung nach Bundesland.
Wenn Sie weiter weg wohnen
Sie müssen nicht vor Ort sein, um die Sache anzustoßen. Fachbetriebe vereinbaren den Termin zum Ausmessen gern so, dass Sie telefonisch dazukommen oder ein Nachbar dabei ist. Den Antrag bei der Pflegekasse können Sie mit Vollmacht ebenfalls von zu Hause erledigen.
Häufige Fragen
Was tun, wenn die Mutter die Treppe nicht mehr schafft?
Sprechen Sie das Thema früh an, lassen Sie die Treppe von einem Fachbetrieb ansehen und beantragen Sie einen Pflegegrad. Damit gibt es Zuschuss für einen Treppenlift.
Können Kinder den Pflegegrad für ihre Eltern beantragen?
Ja, mit Einverständnis oder Vollmacht der Eltern. Ein Anruf bei der Pflegekasse genügt für den Antrag.
Wie viel zahlt die Pflegekasse für einen Treppenlift?
Bis zu 4.180 € pro Person mit Pflegegrad, schon ab Pflegegrad 1. Haben beide Eltern einen Pflegegrad, kann es doppelt so viel sein.